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Flächendesinfektion

 

Desinfektion von Tastaturen in Arztund Zahnarztpraxen
Frage: Wann müssen die Tastaturen der PCs in einer Arztpraxis desinfiziert werden und womit? Ist die Desinfektion einmal täglich ausreichend? Wenn dies der Fall ist, würde ich gerne wissen, warum dies ausreicht und warum man nicht nach jeder Benutzung desinfizieren sollte (ähnlich wie bei der Händedesinfektion, die nach jedem Patientenkontakt selbstverständlich ist)? Welche Vorgehensweise würden Sie empfehlen?

Jede Form von Bedienfläche wird durch die Hände des Bedieners zwangsläufig zumindest transient bakteriell und viral kontaminiert. Dies gilt in besonderer Weise für Tastatur und Maus, die im Fall der Tastatur eine komplexe Oberfläche besitzen und die generell aus Gründen der Ergonomie häufig eine raue Oberfläche aufweisen. Neben Staub können sich Zelldetritus und Fett aus Haut oder Hautpflegeprodukten ablagern. Betroffen sind auch andere Formen von Eingabegeräten wie Trackballs oder Touchscreens [1–7]. Relevant wird diese Kontamination jedoch nur, wenn potenziell pathogene Erreger in infektiöser Dosis von diesen Oberflächen auf die Hände des Anwenders und von dort auf Patienten verschleppt werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll, eine Risikobewertung durchzuführen, in welchem Maß das betreffende Gerät eine Rolle bei der Übertragung von Krankheitserregern spielen kann und wie ausgeprägt die Infektionsdisposition der Patienten in der Umgebung dieser Geräte ist [8]. Bei optimal durchgeführter hygienischer Händedesinfektion kann von einer vollständigen Inaktivierung der Kontaminationsflora ausgegangen werden. Die Händedesinfektion unmittelbar nach Patientenkontakt stellt auch immer eine Händedesinfektion vor Bedienung des Computers dar. Werden Schutzhandschuhe zur Vermeidung einer Kontamination der Hände verwendet, müssen diese vor Bedienung des Computers ausgezogen und die Hände desinfiziert werden. Das bedeutet, dass „eigentlich“ keine Tastatur kontaminiert sein dürfte. Im Alltag ist eine optimale Umsetzung der Händehygiene aufgrund einer Vielzahl von Faktoren nicht immer gegeben [9–11]. Gerade um die Kontamination häufiger Handkontaktflächen bzw. des patientennahen Umfelds zu vermeiden, muss eine Verbesserung der Compliance erreicht werden. Eine routinemäßige desinfizierende Reinigung von Tastaturen, die im klinischen bzw. medizinischen Umfeld eingesetzt werden, ist a priori als Teil eines Multibarriere-Managements im Sinne der Infektionsprävention sinnvoll. Abhängig von der vom Hersteller festgelegten Zweckbestimmung des Rechners kann es sich um ein Medizinprodukt handeln. In diesen Fällen muss der Hersteller Informationen bereitstellen, die eine sichere Anwendung des Produkts ermöglichen. Diese Informationen müssen auch Angaben zur Aufbereitung enthalten. Herkömmliche Tastaturen können aufgrund ihres komplexen Aufbaus oft nicht zuverlässig desinfiziert werden. Darüber hinaus können durch das Eindringen von Flüssigkeit Schäden an den Geräten verursacht werden. Im Handel werden verschiedene Lösungen angeboten, die von Schutzfolien über die komplette Ummantelung durch eine Silikonhülle bis zu vollständig desinfizierbarem Material der Tastatur selbst reichen. Die Anbieter solcher Geräte geben auch an, welche Desinfektionsmittel oder Desinfektionswirkstoffe eingesetzt werden können. In Risikobereichen sollen daher derartige Tastaturen eingesetzt werden. Bei der Auswahl des Desinfektionsmittels ist darauf zu achten, dass es sich um ein Flächendesinfektionsmittel handelt, dessen Wirksamkeit durch ein VAH-Zertifikat bzw. eine VAHListung bestätigt ist. Auch soll das Produkt zumindest begrenzt viruzid sein, in Abhängigkeit von der epidemiologischen Situation (z. B. Noro- oder Rotavirus-Infektionen) kann es notwendig sein, zumindest zeitlich begrenzt ein viruzides Produkt zu verwenden [4]. Befindet sich die Tastatur (das Gleiche gilt für Zubehörgeräte wie Computermaus) in unmittelbarer Umgebung eines infektionsgefährdeten Patienten oder in einem Risikobereich (OP), dann sollte die Desinfektion arbeitstäglich durchgeführt werden [12]. Es bleibt aber in jedem Fall festzuhalten, dass die Desinfektion der Tastatur eine flankierende Maßnahme der Infektionsprävention ist, die eine konsequente Händehygiene allenfalls ergänzt.

Literatur

1. Hartmann, B., et al., Computer keyboard and mouse as a reservoir of pathogens in an intensive care unit. J Clin Monit Comput, 2004. 18(1): p. 7–12.

2. Fukada, T., H. Iwakiri, and M. Ozaki, Anaesthetists‘ role in computer keyboard contamination in an operating room. J Hosp Infect, 2008. 70(2): p. 148–53.

3. Dumford, D.M., 3rd, et al., What is on that keyboard? Detecting hidden environmental reservoirs of Clostridium difficile during an outbreak associated with North American pulsed-field gel electrophoresis type 1 strains. Am J Infect Control, 2009. 37(1): p. 15–9.

4. Clay, S., et al., Survival on uncommon fomites of feline calicivirus, a surrogate of noroviruses. Am J Infect Control, 2006. 34(1): p. 41–3.

5. Hospital computer keyboards and keyboard covers harbor potentially harmful bacteria. Hosp Health Netw, 2005. 79(5): p. 81–2.

6. Engelhart, S., et al., Microbial contamination of computer user interfaces (keyboard, mouse) in a tertiary care centre under conditions of practice. HygMed, 2008. 33(12): p. 456–459.

7. Wilson, A.P., et al., Laboratory and in-use assessment of methicillin-resistant Staphylococcus aureus contamination of ergonomic computer keyboards for ward use. Am J Infect Control, 2008. 36(10): p. e19–25.

8. Robert Koch-Institut, Was ist beim Einsatz von Personal Computern (PC) und Notebooks im Bereich der Patientenversorgung in Einrichtungen des Gesundheitswesens zu berücksichtigen? http://www.rki.de/cln_153/nn_206446/ DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/FAQ/Computertastatur/ faq

9. Boyce, J.M. and D. Pittet, Guideline for Hand Hygiene in Health-Care Settings: recommendations of the Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee and the HICPAC/SHEA/APIC/IDSA Hand Hygiene Task Force. Infect Control Hosp Epidemiol, 2002. 23(12 Suppl): p. S3–40.

10. Wilson, A.P., et al., Computer keyboards and the spread of MRSA. J Hosp Infect, 2006. 62(3): p. 390–2.

11. Rutala, W.A., et al., Bacterial contamination of keyboards: efficacy and functional impact of disinfectants. Infect Control Hosp Epidemiol, 2006. 27(4): p. 372–7.

12. Kramer A, Schwebke I, Kampf G. How long do nosocomial pathogens persist on inanimate surfaces? A systematic review. BMC Infect Dis 2006; 6 p130.

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Dr. med. Bärbel Christiansen, Kiel

HygMed 2012; (37)3: 98-99