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Einmalhandschuhe

 

Desinfizierbarkeit von Einmalhandschuhen
Kürzlich erhielt ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Hygieneingenieur von einem Pflegeheim eine Anfrage zur Desinfizierbarkeit von Einmalhandschuhen. Meines Wissens wird das mehrmalige Benutzen von Einmalhandschuhen nach Desinfektion der behandschuhten Hände aus hygienischer Sicht abgelehnt. Die Frage der Altenpflegerin bezog sich auf die Eignung puderfreier Vinyl-Einmalhandschuhe zur erneuten Händedesinfektion mit dem benutzten Handschuh. Aus Kostenspargründen habe man die Mitarbeiter angewiesen, Handschuhe nicht nach einmaligem Gebrauch zu wechseln. Nach meinem Kenntnisstand sind zwar einige Handschuh-Materialien für eine Desinfektion geeignet, jedoch finde ich diese Lösung in der Altenpflege äußerst bedenklich. Diese Praxis widerspricht den bisherigen Hygieneplänen oder gibt es neue Erkenntnisse?

Liest man in den gängigen Empfehlungen zur Händehygiene nach, wird die Wiederverwendung von Einmalhandschuhen nach Desinfektion nicht bzw. nur unter streng definierten Einschränkungen empfohlen [1–3]. In der Empfehlung der KRINKO aus dem Jahr 2000 [1] wird die Frage der hygienischen Händedesinfektion behandschuhter Hände in die Kategorie III (ungelöste Frage, keine Empfehlung) eingeordnet. Dort wird allerdings auch erwähnt, dass auf Handschuhen durch eine hygienische Händedesinfektion eine höhere Keimzahlreduktion erreicht wird als dies an der unbehandschuht kontaminierten Hand der Fall ist [4, 5]. Daraus wird gefolgert, dass „im Ausnahmefall“ eine Desinfektion der Handschuhe „erwogen“ werden kann. Dies kann in Situationen sinnvoll und zweckmäßig sein, die einen sehr häufigen Handschuhwechsel erfordern würden, etwa im Rahmen der Untersuchung oder Behandlung von Patienten ohne anamnestische Hinweise auf eine vorliegende Infektion. So kann auch die Umgebungskontamination auf Intensivstationen reduziert werden, wenn während pflegerischer Arbeiten am Patienten Bedienungselemente von Geräten oder Computertastaturen berührt werden müssen und zwischenzeitig die Handschuhe desinfiziert werden. Ähnliches gilt für Laborarbeiten mit kontaminierten Materialien [6]. Die Bedingungen sind allerdings z. B. im Hygieneplan festzulegen und zu überwachen. Die KRINKO-Empfehlung nennt dazu folgende Voraussetzungen: – nachgewiesene Desinfizierbarkeit (unter Beachtung von Häufigkeit, Materialverträglichkeit, Handschuhfabrikat und Art des Desinfektionsmittels), – kein vorangegangenes Perforationsrisiko und keine bemerkte Perforation, – keine Kontamination mit Blut, Sekreten und Exkreten, – keine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Kontamination mit Viren oder multiresistenten Erregern. Auch wenn experimentell gezeigt wurde, dass selbst bei Anwesenheit von Blut der Desinfektionserfolg beim Handschuh immer noch besser war als auf der nicht mit Blut kontaminierten, bloßen Hand, so ist eine Desinfektion von visuell mit Körperflüssigkeiten oder Ausscheidungen kontaminierten Handschuhen nicht zu empfehlen. Selbst saubere Handschuhe sollten in den genannten Ausnahmefällen nicht häufiger als fünfmal desinfiziert werden, auch wenn nach experimentellen Untersuchungen auch bei deutlich mehr Desinfektionsvorgängen kein Einfluss im Sinne einer Materialschädigung erkennbar war. Sollten sich – auch schon nach einmaliger Desinfektion – die Handschuhe klebrig anfühlen, so müssen diese Handschuhe sofort verworfen werden. Der Nachweis der Kompatibilität von Handschuh und Desinfektionsmittel muss in den meisten Fällen wohl als Einzelstudie (z. B. in einem krankenhaushygienischen Labor) geführt werden. Es existiert keine allgemein akzeptierte Prüfrichtlinie oder Norm, um die Desinfizierbarkeit von Handschuhen zu bestimmen. In den zitierten Arbeiten wurde in Analogie zur Prüfung der hygienischen Händedesinfektion an der künstlich kontaminierten Hand, etwa nach DIN EN 1500 [6], vorgegangen. Zur Prüfung der Dichtheit ist DIN EN 455-1 [7] anzuwenden. Verständlicherweise besteht von Seiten der Handschuhhersteller derzeit kein Interesse, die Desinfizierbarkeit von Einmalhandschuhen begutachten zu lassen. Es muss klargestellt werden, dass die Desinfektion von Schutzhandschuhen im klinischen Bereich als allgemeines Handlungsprinzip zur Kostenreduktion obsolet ist [6]. Hinsichtlich der Haftungsfrage muss sich der Verwender desinfizierter Einmalhandschuhe darüber im Klaren sein, dass in diesem Fall eine Produkthaftung des Herstellers nicht greift und er selbst ggf. haftbar ist.

Literatur

1. Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut. Händehygiene. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2000;43:230–233.

2. Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF. Händedesinfektion und Händehygiene. AWMF Leitlinien-Register Nr. 029/027 (2008). www.awmf.org/leitlinien/

3. World Health Organisation. WHO guidelines on hand hygiene in health care. WHO Press 2009. www.who.int/gpsc/5may/en/

4. Pitten FA, Müller P, Heeg P, Kramer A. Untersuchungen zur wiederholten Desinfizierbarkeit von Einweghandschuhen während des Tragens. Zbl Hyg Umweltmed 1998/99; 201:555–62.

5. Pitten F A, Kramer A. Desinfizierbarkeit medizinischer Handschuhe. Hyg Med 2001;26:10–12.

6. Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der AWMF. Anforderungen an Handschuhe zur Infektionsprophylaxe im Gesundheitswesen. AWMF Leitlinien-Register Nr. 029/021 (2009). www.awmf.org/leitlinien/

7. DIN EN 1500: 1997. Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika - Hygienische Händedesinfektion - Prüfverfahren und Anforderungen (Phase 2/Stufe 2).

8. DIN EN 455-1:2001. Medizinische Handschuhe zum einmaligen Gebrauch. Teil 1: Anforderungen und Prüfung auf Dichtheit.

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch (korrespondierender Autor)
Dr. Bärbel Christiansen, Kiel

HygMed 2014; (39) 3: 92–93